Direktbuchungen, Booking.com und Expedia
29. Oktober 2026
Recherchezeitraum: Oktober 2026
Von COTT.TV Hospitality Technology Research Desk·Veröffentlicht 29. Oktober 2026·8 Min. Lesezeit

Kurzfassung
Ein Vertriebsbericht kann einem Hotel helfen, bessere Fragen zu stellen – aber er kann nicht die Kanalstrategie für das jeweilige Haus festlegen. Die European Hotel Distribution Study 2026 von HOTREC und HES-SO zeigt, wie sich Hotelübernachtungen im Referenzjahr 2025 auf Buch…
Ein Vertriebsbericht kann einem Hotel helfen, bessere Fragen zu stellen – aber er kann nicht die Kanalstrategie für das jeweilige Haus festlegen. Die European Hotel Distribution Study 2026 von HOTREC und HES-SO zeigt, wie sich Hotelübernachtungen im Referenzjahr 2025 auf Buchungskanäle verteilen. Sie legt jedoch nicht fest, welcher Kanal für ein bestimmtes Haus die beste Marge erzielt. Eigentümer, General Manager und Vertriebsteams benötigen beide Perspektiven: eine genaue Auswertung der Studie und eine objektbezogene Übersicht über Erlöse und Kosten.
Was wurde gemessen – und wer wurde befragt?
Die im September 2026 veröffentlichte Studie nutzt 2025 als Referenzjahr. Die Befragung lief von Februar bis Mai 2026. Die Datengrundlage umfasst 2,713 Hotels: 1,882 Einzelantworten aus 28 Ländern sowie aggregierte Daten von 831 Kettenhotels. Die Einzelantworten stammen überwiegend von kleinen und mittelständischen Betrieben; das Medianhotel hat 39 Zimmer.
Diese Unterschiede sind wichtig, wenn die Ergebnisse auf ein Portfolio oder ein großes Stadthotel angewendet werden. Die gewichteten europäischen Kanalwerte schließen die Kettenaggregate aus. Sie beschreiben Anteile an Übernachtungen, nicht an Reservierungen oder Zimmerumsatz. Ein langer und ein kurzer Aufenthalt zählen in dieser Messung unterschiedlich, auch wenn beide mit einer Reservierung begannen. Die Werte sind keine Vollerhebung aller europäischen Hotels und sollten von Gruppen nicht als Ersatz für eigene Objektberichte genutzt werden.
Der geografische Fokus des Berichts ist Europa. Er ist weder als reine EU-Auswertung noch als aktuelle nationale Prognose zu lesen. Auch macht eine im Jahr 2026 veröffentlichte Studie aus der Verteilung des Referenzjahres 2025 keine Beobachtung für 2026. Ihr größter Wert liegt im sorgfältig definierten Vergleichspunkt: Wie sieht der eigene Übernachtungsanteil eines Hotels aus, wenn Kanäle einheitlich klassifiziert werden?
Die Kanaldefinitionen klar trennen
Direkte Kanäle machen in der Studie 51.3% der gewichteten europäischen Übernachtungen aus. Online-Vermittler stehen für 32.3%; diese breitere Kategorie umfasst OTAs, globale Distributionssysteme und soziale Kanäle. OTAs stehen für 29.9% aller gewichteten Übernachtungen und sind Teilmenge, nicht Nebenmenge der Online-Vermittler. Wer 29.9% und 32.3% addiert, zählt OTA-Übernachtungen doppelt.
Separat weist die ungewichtete relative OTA-Marktanteilstabelle Booking Holdings mit 68.8% und Expedia Group mit 16.6% aus. Diese Konzernwerte beziehen sich auf das OTA-Segment und sind nicht identisch mit den oben genannten gewichteten Übernachtungsanteilen. Die beiden Berechnungen dürfen nicht kombiniert werden, um einen Konzernanteil an allen Hotelübernachtungen zu schätzen. Booking Holdings ist zudem mehr als die Marke Booking.com: Der Wert darf nicht als reiner Booking.com-Anteil umetikettiert werden. Keine der Konzernzahlen beschreibt den Vertrag oder die Profitabilität eines einzelnen Hotels.
Keine dieser Prozentzahlen ist eine Provision, eine Buchungsumwandlungsrate oder ein Profitabilitätswert. Auch zeigt ein hoher Anteil nicht, dass ein Kanal Nachfrage generiert hat, die sonst nicht entstanden wäre. Er zeigt, wo die gemessenen Übernachtungen zugeordnet wurden. Wer entscheidet, wie viel Inventar über einen Kanal angeboten wird, braucht eigene Daten zu Nachfrage, Verdrängung und Kosten.
Warum ein großes Stadthotel einen anderen Vergleich braucht
Ein großes Stadthotel bedient oft mehrere Nachfrageprofile gleichzeitig: Gäste mit langer Vorausbuchung, Kurzfristaufenthalte, Stammgäste und Geschäftsreisende. Diese Muster können je nach Zeitraum und Zimmertyp unterschiedliche Vertriebsentscheidungen erfordern. Das ist ein operativer Grund, Segmente getrennt zu betrachten – nicht der Beweis, dass die Studie einen bestimmten OTA-Anteil für große Stadthotels festlegt.
Die Größenordnung verändert die Entscheidungsgrundlage. Eine Hotelgruppe hat möglicherweise zentrale Marketingausgaben, lokale Vertriebsaktivitäten und gemeinsame Technologiekosten, die sich schwer einer einzelnen Buchung zuordnen lassen. Ein großes Haus verkauft denselben Zimmertyp oft über mehrere Systeme, sodass verlässliche Verfügbarkeit und klare Zuständigkeit für Updates besonders wichtig sind. Kleine Betriebe stehen vor denselben Grundfragen, organisieren die Arbeit aber anders. Weder Größe noch Standort allein entscheiden, ob eine Direktbuchung günstiger ist.
Zuerst sollten die eigenen Übernachtungen nach Kanal, Objekt und Aufenthaltszeitraum ausgewertet werden. Gruppenmarken sollten – sofern möglich – von einzelnen Buchungsseiten getrennt betrachtet und Buchungen mit unklarer Herkunft dokumentiert werden. Anschließend lohnt ein Blick auf Auslastung und Aufenthaltsdauer hinter den Summen. Ein Kanal, der an Tagen mit sonst leerstehenden Zimmern beiträgt, erfüllt eine andere Funktion als einer, der bei erwarteter Vollauslastung genutzt wird. Die veröffentlichten gewichteten Anteile liefern Kontext, aber kein Ziel zum Nachahmen.
Beitrag vergleichen, nicht nur die Gebühr
Eine Direktbuchung spart manche Vermittlerkosten, ist aber nicht kostenlos. Je nach Betrieb können relevante Direktkanalkosten bezahlte Akquise, Pflege der Buchungsstrecke, Zahlungsabwicklung, Rabatte und Personalaufwand für Problemfälle umfassen. Auch Drittanbieterbuchungen verursachen oft mehr als nur die vertraglich vereinbarte Gebühr. Für den Vergleich sollten tatsächliche Verträge und Buchhaltungsdaten genutzt werden, statt pauschale Prozentsätze für Booking.com, Expedia oder andere Anbieter anzusetzen.
Für einen sinnvollen Vergleich sollte der Beitragsmaßstab vorab definiert werden. Ausgangspunkt ist der Zimmerumsatz auf einheitlicher Basis, davon werden die Akquisitions- und Servicekosten abgezogen. Rabatte, Zahlungskosten und Stornierungen sollten kanalübergreifend gleich behandelt werden. Gemeinsame Ausgaben sind separat zu erfassen, wenn sie nicht einzelnen Aufenthalten zugeordnet werden können. Andernfalls hängt ein scheinbar präziser Kanalvergleich mehr von Definitionsunterschieden als von der tatsächlichen Wirtschaftlichkeit ab.
Ein Beispiel mit gleichem Umsatz zeigt die Rechenweise, nicht das Marktergebnis. Alles im folgenden Beispiel ist hypothetisch; die Kanäle sind anonym, die Prozentsätze sind angenommene Gesamtkosten pro Kanal, keine Lieferantenpreise. Angenommen, beide Kanäle verkaufen eine Übernachtung für 150 EUR. Der Direktkanal verursacht dabei Kosten von 18 EUR, entsprechend 12% des Umsatzes, der Vermittlerkanal Kosten von 22.50 EUR, entsprechend 15%. Nach dieser bewusst engen Definition trägt die Direktnacht 132 EUR bei, die Vermittlernacht 127.50 EUR – ein Unterschied von 4.50 EUR.
Dieses Beispiel geht von gleichem Zimmerumsatz aus und berücksichtigt keine Unterschiede bei Aufenthaltsdauer, Stornierungen, Zusatzumsätzen, variablen Servicekosten oder der Wahrscheinlichkeit, dass das Zimmer sonst leer geblieben wäre. Andere Annahmen können die Entscheidung verändern. Es wäre falsch, die 4.50 EUR Differenz als gemessene Ersparnis, COTT.TV-Ergebnis oder Beweis dafür darzustellen, dass eine Kanalverschiebung automatisch Mehrerlöse bringt. Für echte Entscheidungen sollte der Beitrag mit eigenen Definitionen berechnet und geprüft werden, ob die alternative Buchung am selben Datum realistisch erreichbar ist.
Aktionsplan auf Basis von Objektdaten
Bestandsgenauigkeit als gemeinsame Aufgabe etablieren. Klären, welches System und Team für jede Rate, Restriktion und Verfügbarkeitsaktualisierung verantwortlich ist. Abweichungen zwischen PMS, Channel Manager, eigener Buchungsstrecke und Vermittlerlisten abgleichen. Mitarbeitenden einen klaren Weg zur Prüfung von Ausnahmen bieten, statt jede Aktualisierung als erfolgreich anzunehmen. Booking.coms Rates and Availability API Übersicht dokumentiert eine Schnittstelle für Raten und Verfügbarkeit; die Existenz dieser Dokumentation beweist nicht, dass ein bestimmtes Hotelsystem live angebunden ist oder keine Überwachung braucht.
Die Direktbuchungsstrecke wie ein Gast prüfen. Überprüfen, ob Daten, Zimmerbedingungen, Gesamtpreis, Zahlungsinformationen und Stornierungsbedingungen vor Bestätigung verständlich sind. Den Weg auf den tatsächlich von Gästen genutzten Geräten testen und festhalten, wo eine Buchung scheitert oder Personalhilfe nötig ist. Dies ist eine redaktionelle Empfehlung, kein von HOTREC gemessener Befund. Die Gast-TV-Demo von COTT.TV zeigt einen anderen Gastkontext; sie ist keine Buchungsmaschinen-Demo und kein Beleg für eine OTA-Anbindung.
Kommunikation mit Stammgästen gezielt prüfen. Entscheiden, welche Nachrichten nach dem Aufenthalt sinnvoll sind, welche Einwilligungen und Präferenzen gelten und wie Antworten bearbeitet werden. Ein klarer Grund für die nächste Direktbuchung kann wichtiger sein als ein pauschaler Rabatt, der den Beitrag schmälert. Vor Änderungen an Gästekommunikation oder öffentlichen Raten die geltenden Vertragsbedingungen und rechtlichen Vorgaben prüfen; nicht von einer universellen OTA-Preisparität ausgehen.
Dem Review eine feste Zuständigkeit geben. Kommerzielle, operative, finanzielle und technische Kollegen sollten sich auf Kanaldefinitionen, Ausnahmen und die jeweils berücksichtigten Kosten einigen. Übernachtungen und Beitrag nach relevanten Zeiträumen vergleichen und Veränderungen analysieren, statt jede Verschiebung im Direktanteil zu bewerten. Gruppen sollten sowohl Objekt- als auch Gesamtansichten behalten, damit unterschiedliche Märkte nicht im Durchschnitt verschwinden. Die COTT DESK Hotel-PMS-Seite von COTT.TV beschreibt ein Early-Access-Produkt und ist kein Nachweis für eine aktive Booking.com-Integration.
Entscheidungsreferenz
| Studienmaß | Berichteter Anteil | Nenner |
|---|---|---|
| Direkte Kanäle | 51.3% | Gewichtete europäische Übernachtungen, ohne Kettenaggregate |
| Online-Vermittler | 32.3% | Gleiche Gesamtzahl; inkl. OTA-Teilmenge |
| OTAs | 29.9% | Gleiche Gesamtzahl; nicht zu Online-Vermittlern addieren |
Praktische Fragen
Sagt die Studie, dass
Direktbuchungen immer profitabler sind?
Nein. Sie misst Kanalanteile an Übernachtungen. Für Profitabilität braucht es die Akquisitions- und Servicekosten des Hotels, Umsatzdefinitionen und Nachweise für zusätzliche Nachfrage.
Sind Booking Holdings und Booking.com in diesen Zahlen austauschbar?
Nein. Booking Holdings ist der größere Konzern. Der Studienwert darf nicht als reiner Anteil der Marke Booking.com ausgegeben werden.
Quellen und Methodik
Die oben genannten Kanalzahlen und die Stichprobenbeschreibung stammen aus HOTREC / HES-SO: European Hotel Distribution Study 2026, Referenzjahr 2025. Die Studie erschien im September 2026, befragte Hotels von Februar bis Mai 2026 und bezieht sich auf das Referenzjahr 2025. Die gewichteten europäischen Verteilungswerte schließen die Kettenaggregate aus; die Einzelantworten stammen überwiegend von KMU. Die separat ausgewiesenen relativen OTA-Konzernanteile sind ungewichtet, wie in der Tabelle auf Seite 92 des Berichts angegeben, und dürfen nicht mit den gewichteten Übernachtungswerten kombiniert werden. Die Anteile beziehen sich auf Übernachtungen, nicht auf Reservierungen, Umsatz, Provisionen oder Gewinn. Der Bericht liefert keine universelle Kanalstrategie für einzelne Häuser, und die europäischen Werte sind weder als EU-Anteil noch als nationale Prognose zu verstehen.
Die separate Booking.com Rates and Availability API Übersicht dient nur zur Identifikation der dokumentierten Schnittstelle für Raten und Verfügbarkeit, nicht als Nachweis einer COTT.TV-Integration. Die operativen Empfehlungen und das Beitragsmodell sind redaktionelle Überlegungen, keine zusätzlichen Studienergebnisse, Kundendaten oder Produktzertifizierungen. Das EUR-Beispiel ist ausdrücklich hypothetisch. Die Belege für diesen Artikel wurden am 23. Oktober 2026 geprüft; eine spätere Überprüfung ist nicht erfolgt.
Redaktionelles Bild: Inn. TRENDS.
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